Thomas Ahrens Dipl. Ing. Gartenbau

Raritäten und Besonderheiten

 

Eigentlich beginnt jeder passionierte Gärtner irgendwann, sich mit den Raritäten und Besonderheiten im Pflanzenreich auseinander zu setzen. Wenn man das Standart-Sortiment der Staudengärtnereien kennengelernt hat und viele Pflanzen im eigenen Garten hegt und pflegt, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem man erkennt, daß da noch etwas anderes existiert. Taucht man dann in diese Materie ein erkennt man sehr schnell eine riesige Vielfalt von Pflanzen, für die ein einziges Menschenleben gar nicht ausreicht. Man muß sich einmal vor Augen halten, daß es z. B. 7.000 Funkiensorten, 17.000 Narzissensorten, 8.000 Irissorten und sage und schreibe 75.000 Hemerocallis-Sorten gibt. Jedes Jahr entstehen – angespornt durch den Züchterfleiß – immer neue Sorten und Typen. Einige Gattungen werden zu Pflanzen-Ikonen stillisiert und man zahlt Unsummen für einzelne Exemplare. Galanthus/Schneeglöckchen sind da ein gutes Beispiel. Die Galanthomanie unserer Tage nimmt in einigen Kreisen bereits Züge an, wie man sie einst in der Tulpomanie im 17. Jahrhundert fand; dort wurde für eine besondere Zwiebel schon mal Haus und Hof versetzt. Und ich muß sagen, daß auch ich mich diesem Reiz nicht ganz entziehen kann; Galanthus sind halt die ersten im Frühlingsreigen und nach dem Winter ist man doch etwas „ausgehungert“. Hepatica/Leberblümchen sind ähnlich vielfältige Pflänzchen. Befaßt man sich einmal mit der wunderbaren Blütenvielfalt, dann kann man den „Sammler-Wahnsinn“ schon etwas verstehen.. Japanischen Gärtnereien und Züchter haben atemberaubende Typen hervorgebracht. Es gibt Sammler, die mit unermüdlichem Fleiß imposante grüne Schätze zusammengetragen haben, und es sind Sammlungen entstanden, die ihres Gleichen suchen. Das Fachwissen dieser Gärtner ist enorm und man kann nur den „Hut vor ihnen ziehen“. Farne sind z. B. ein Steckenpferd so manches Gärtners und man sollte nicht meinen, welch eine Vielfalt dort zu erwarten ist.  Auch die Primula auricula – die Show-Aurikeln – haben einen besonderen Status erreicht. In England werden zur Blütezeit dieser Preciosen besondere Garten-Shows veranstaltet und die Pflanzenfreaks pilgern wie fromme Novitzen in die grünen Kathedralen um sich dort den gärtnerischen Segen aussprechen zu lassen. Das hohe Niveau einiger dieser Veranstaltungen ist schon bemerkenswert und ich denke, wir hier in Deutschland haben noch eine Menge Missionarsarbeit vor uns, um diesen Status einmal gerecht zu werden.  Häufig werden derartige Pflanzen gar nicht mehr über den Handel verbreitet, sondern nur noch über den Tausch von Fachmann zu Fachmann. Es ist immer sehr interessant, diese Kontakte aufzubauen und ich selbst bin daran auch sehr interessiert. Ich kenne nun eigentlich schon sehr viele ungewöhnliche Pflanzen; aber manchmal verschlägt es auch mir den Atem, wenn ich wieder einmal das „Allerheiligste“ einer besonderen Pflanzensammlung einsehen darf. Das Internet hat uns in diesem Sinne viele Vorteile beschert. Ich möchte auch Sie dazu anspornen, sich mehr mit diesen interessanten Raritäten und Besonderheiten zu beschäftigen. Glauben Sie mir, auch Sie werden ihrem Reiz erliegen! Ich werde z. B. niemals den Moment vergessen, als ich das erste Trillium grandiflorum ‚Roseum‘ in meinem Garten erblühen sah (….und wohlgemerkt das Echte!!! aus dem botanischen Garten in Göteborg).